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Neue Aufgaben des Tierschutzvereins
Seit Beginn der 80er Jahre gab es für die Tierschutzvereine einen weiteren Schwerpunkt. Die Vermehrung von freilebenden, verwilderten Hauskatzen nahm immer mehr zu, und die Vereine bemühten sich - und das tun sie bis zum heutigen Tage - mit Kastrationsaktionen Abhilfe zu schaffen. Diese Maßnahmen kosten sehr viel Geld, und der Tierschutzverein Marburg wendet jedes Jahr einen erheblichen Betrag auf, um auf diese Weise zukünftiges Katzenelend zu verhindern.
Nach traditioneller Vorstellung widmet sich ein örtlicher Tierschutzverein fast ausschließlich der Betreuung und Vermittlung heimatloser Hunde und Katzen. So eingeschränkt ist die Sichtweise der regionalen Vereine aber heute nicht mehr, auch wenn der Umfang dieser Aufgabe nie nachgelassen hat. Tierschutz kann sich nicht nur auf das Schmusetier innerhalb des eigenen Gesichtsfelds beschränken, sondern beinhaltet auch, Tierelend ausserhalb der häuslichen Grenzen vermeiden zu helfen. In den letzten Jahren machte sich so auch ein allgemein verändertes Bewusstsein gegenüber den sogenannten "Nutztieren" bemerkbar. Unser Einsatz für diese Lebewesen, die man so achtlos Nutztiere nennt - Tiere also, die man einfach nur benutzt oder ausnutzt, oft ohne deren Bedürfnisse auch nur im Geringsten zu beachten - kann natürlich nicht vor unserer Haustüre Halt machen. Mit wachsendem Respekt vor Umwelt und Mitgeschöpfen mehren sich bei uns auch die Anzeigen bei schlechter Haltung von Pferden, Rindern, Schafen, Ziegen, usw.
So hat sich der Tierschutzverein Marburg zum Beispiel an einer europaweiten Unterschriftenaktion gegen die EU-Subventionen für Lebendtiertransporte beteiligt. Das Thema Schlachttiere nahm einen breiten Raum ein; Tiere, deren kurzes Leben oft weitaus erbärmlicher und trauriger verläuft, als sich der Käufer eines billigen Schnitzels das in seinen schlimmsten Träumen vorstellt. Wenn Grausamkeiten an Tieren irgendwo in der Welt geschehen, so sind wir oft durch Unkenntnis oder Ignoranz, schlimmstenfalls sogar als Konsumenten, mit daran beteiligt. - Insgesamt wurden von den europäischen Tierschutzorganisationen 1,2 Millionen Unterschriften gesammelt, und bei einer Pressekonferenz am 20.Juli 1998 an den EU-Agrarkommissar übergeben. Welche Veränderungen diese Aktion ergeben hat, konnten Sie der Presse entnehmen, aber selbst wenn die Ergebnisse nicht sehr überzeugend waren, werden wir uns auch weiterhin mit Nachdruck bemerkbar machen.
Aufklärung und auch politischer Einsatz nimmt heute einen weitaus größeren Platz in der Tätigkeit der Tierschutzvereine ein, als dies noch in den "Gründerjahren" der Fall war. Entsprechende Aufklärung unter einem jeweils aktuellen Motto in die eigene Region zu tragen, bemüht sich der Marburger Tierschutzverein mit seinen Info-Ständen.
Das Gesicht eines anderen TSV-Infostandes bei öffentlichen Veranstaltungen zeigte sich ebenfalls wenig schmusig: Gemeinsam mit der "MAZ" informierten wir über billige Massenprodukte, die Sie bestimmt nicht mehr erwerben wollen, wenn sie die Herstellung kennen. Es handelte sich bei dieser Aktion um das außerordentlich qualvolle Abschlachten von Hunden und Katzen zur Fellgewinnung. Es ist die über jedes Maß hinausgehende Grausamkeit der kriminellen Hersteller und Händler, die den für uns ohnehin inakzeptablen Pelzhandel bei Weitem in den Schatten stellt.
Ein weiteres Betätigungsfeld war die am 15. Juli 2000 in Kraft getretene Hessische Kampfhundeverordnung. Nicht allein nach unserem Erachten waren die Maßnahmen dieser Eilverordnung absolut fragwürdig und der Marburger Tierschutzverein gründete zusammen mit der AG Marburg der Menschen für Tierrechte -Tierversuchsgegner Hessen e.V. die AG Nein zur hessischen Kampfhundeverordnung. Diese Arbeitsgruppe, die sich mit dem Thema kritisch beschäftigte, und sich bei den verantwortlichen Stellen für tierschutzgerechte Veränderungen dieser Verordnung einsetzte, informierte die Bevölkerung auch über: Leinen - und Maulkorbzwang in der Öffentlichkeit, Sondergenehmigungen, die erforderliche Wesensprüfung des Hundes, die Liste der zuständigen VDH-Sachverständigen, usw.
Fast gleichzeitig holten uns auch die Skandale um BSE und MKS und Vogelgrippe ein. Themen, die auch vor der Tür eines örtlichen Tierschutzvereins nicht haltmachen dürfen.
So hat sich das Spektrum der Aufgaben des Marburger Tierschutzvereins in den letzten Jahren deutlich verändert und um einiges erweitert. Und auch in der Zukunft wird noch viel Arbeit auf uns warten ...!
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